Aktueller Stand (22.04.2020)

Sowohl das Umweltbundesamt, als auch die Deutsche Gesellschaft für naturnahe Badegewässer (DGfnB) haben eine Stellungnahme bezüglich der Coronavirus Situation herausgegeben:

https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/374/dokumente/stellungnahme_uba_sars-co2_badebecken.pdf

https://www.dgfnb.de/aktuelles-termine/corona-virus-sars-cov-2-hilfestellung-bei-fragen.html 

Im Fazit stellt das UBA fest:

Eine Übertragung des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 erfolgt nach derzeitigem Wissensstand vor allem über den direkten Kontakt zwischen Personen oder kontaminierte Flächen. Die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung im Schwimmbad ist daher mit anderen Orten im öffentlichen Raum vergleichbar. Schwimm- und Badebeckenwasser wird in Deutschland entsprechend den allgemein anerkannten Regeln der Technik aufbereitet und desinfiziert. Bei Bädern, die normgerecht gebaut und betrieben werden, in denen die Wasseraufbereitung den allgemein anerkannten Regeln der Technik entspricht und bei denen insbesondere die Durchströmung, Aufbereitung und Betriebskontrolle normgerecht erfolgen, kann davon ausgegangen werden, dass eine hygienisch einwandfreie Wasserbeschaffenheit erzielt wird und das Schwimm- und Badebeckenwasser gut gegen alle Viren, einschließlich Coronaviren, geschützt ist. Es ist jedoch darauf zu achten, dass die Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen im Schwimmbad strikt eingehalten werden. Von Bädern mit biologischer Aufbereitung geht, verglichen mit konventionell aufbereiteten Bädern grundsätzlich ein höheres Infektionsrisiko aus, auf welches der Badegast vor Ort hingewiesen werden sollte.

Das UBA weist also auf zweierlei hin: Zum einen besteht in Naturfreibädern im Vergleich zu konventionellen Bädern ein höheres Infektionsrisiko und zum anderen ist jedoch der  Schutz gegen Viren, einschließlich Coronaviren, bei normgerechtem Betrieb auch in Naturfreibädern ausreichend gegeben.

Sollte die Bewertung des Corona Virus auch während der Badesaison noch dazu führen, dass Menschenansammlungen als gefährlich betrachtet werden, so wird wahrscheinlich das Zusammenkommen von vielen Menschen gefährlicher sein, als das Baden in biologisch aufbereitetem Wasser. Hierzu schreibt die DGfnB:

Auch gibt es keine Hinweise darauf, dass das Virus im Wasser überhaupt überleben würde und falls doch, wie lange. Allerdings ist es ohnehin wesentlich wahrscheinlicher, dass eine Ansteckung schon auf dem Weg zum Becken oder im Becken durch andere Badegäste geschehen würde.

Es bleibt also abzuwarten, wie die Wissenschaft die Situation weiter bewertet.

 
Viren und Naturfreibäder

Der Abbau von Viren und Bakterien in Naturfreibädern erfolgt innerhalb des Beckenwassers durch Zooplankton[1], Konkurrenzdruck anderer Organismen, ggf. allelopathische Mechanismen (Abgabe wachstumshemmender Substanzen) und UV-Strahlung (IOB 2013). Außerhalb des Beckens erfolgt der Abbau über externe Filteranalgen[2].
Die genannten Mechanismen, die zum Abbau von Viren und Bakterien im Beckenwasser führen, können durch die Einrichtung/Neubepflanzung von Pflanzzonen in den Beckenrandbereichen/auf den Nassfilteroberflächen unterstützt werden. Hierdurch entstehen Wachstums- und Schutzräume fürs Zooplankton und es entsteht eine höhere Biodiversität, was zur Unterstützung von ökologischem Konkurrenzdruck und einer Förderung allelopathischer Mechanismen führt.
Der Abbau von Viren und Bakterien durch Filter kann effektiv durch eine Erhöhung der Umwälzleistungen verstärkt werden, da während jeder Filterpassage Keime eliminiert werden. Das Umweltbundesministerium fordert für die Filter in Naturfreibädern nach einer Filterpassage eine Reduktion der Indikatorparameter (E.coli, Enterokokken, Pseudomonas aeruginosa) um eine Logstufe (90%) (UBA 2003). Bei den Indikatorparametern handelt es sich um Bakterien. Die neuste Studie, die im Bezug auf Viren durchgeführt wurde, stammt von der Universität Alberta (Kanada). In den Modeluntersuchungen wurden im Bezug auf Noroviren mittlere Abbauleistungen eines Neptunfilters von 1,35 Logstufen gemessen. In einen Kombinationsfilter aus einer Hydrobotanik und einem Nassfilter lagen die Abbauleistungen sogar bei 2,35 Logstufen (Petterson 2019). Somit lag die Abbauleistung von Noroviren deutlich höher, als die vom Umweltbundesamt geforderte Abbauleistungen von einer Logstufe. Betrachtet man die Tatsache, dass Coronaviren ca. 4 mal größer sind als Noroviren und damit wahrscheinlich leichter im Filter zurückgehalten werden können, so zeigt sich, dass, sollten diese widererwartend im Wasser überleben können, mit hoher Wahrscheinlichkeit gut abgebaut werden können.  Eine Risikoabschätzung für Noroviren ergab, dass eine Beckenumwälzleistung von 2 Umwälzungen pro Tag eingehalten werden sollte, um Noroviren im tolerierbaren Bereich zu halten (Bruns 2020). Präventiv könnte dieser Wert auch auf Coronaviren bezogen werden.
Auch wenn das Badewasser in Naturfreibädern nach aktuellem Wissensstand gut gegen alle Viren, inkl. der Coronaviren geschützt ist, so können zur Verbesserung der Abbauleistungen folgende Maßnahmen ergriffen werden:
 
  • Erweiterung und Intensivierung der Bepflanzung in den entsprechenden Bereichen (Hydrobotanik und Nassfilter)
  • Ggf. Erhöhung der Filterleistung auf zwei Beckenumwälzungen/Tag
Falls sie bei den Maßnahmen Unterstützung benötigen, können sie sich gerne bei uns melden.

Wir wünschen Ihnen/Euch alles gute und beste Gesundheit.

[1] Die Virenelimination durch das Zooplankton hängt im Wesentlichen von den vorliegenden Arten (unterschiedliche Zooplankter haben unterschiedliche Filtrationsleistungen) und der vorliegenden Menge ab. Die Menge wiederum hängen von den ökologischen Bedingungen ab (vorliegendes Nahrungsangebot, ökologisches Umfeld des Bades, Vorhandensein von Pflanzzonen als Rückzugsräume etc.). Es wird davon ausgegangen, dass das Zooplankton durch Filtration im Durchschnitt 4 % des Beckenwassers pro Tag filtriert und dabei Viren und Bakterien eliminiert (FLL 2011). Abhängig von den ökologischen Bedingungen kann die Filtrationsleistung auch über 80% des Beckenwassers/Tag liegen. 
 
[2] Während die Eliminationsleistung des Zooplanktons abhängig von der ökologischen Situation auch mal geringer ausfallen kann, so sind in die Abbauleistungen der Bodenfilter deutlich höher und konstatnter. Hier wird von Eliminationsleistungen von 90-99,9% ausgegangen (IOB 2013, BRUNS/PEPPLER 2019).
 
 
Literatur

Bruns S./Peppler C. (2019) Hygienic quality of public natural swimming pools (NSP), IWA Publishing, S. 365 ff
Bruns S. (2020) The Borden Parc NSP – Projektvorstellung, Risk assesment, Veröffentlichung voraussichtlich: Archiv des Badewesens, Mai 2020
FLL (2011) Richtlinien für Planung, Bau, Instandhaltung und Betrieb von Freibädern mit biologischer Wasseraufbereitung (Schwimm- und Badeteiche), Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. (FLL), Bonn
IOB (2013) Performance of Public Swimming Ponds -An Overview of Hygiene in Pools with Biological Water Purification, Internationale Organisation für naturnahe Badegewässer (IOB), Bremen
Petterson, S. (2019) Assessing the enteric pathogen risk within Natural Swimming Pools - Case Study: Borden Park, Edmonton, Canada; Universitiy of Alberta, School for public health, Presentation at the 10th IOB conference 2019, Warsaw
UBA (2020) Stellungnahme des Umweltbundesamtes Coronavirus SARS-CoV-2 und Besuch in Schwimm- oder Badebecken beziehungsweise Schwimm- oder Badeteichen, Umweltbundesamt, Bad Elster