Naturfreibad Bingen

 

Gestaltungskonzept

Das Naturerlebnisbad Bingen-Bingerbrück liegt auf einem zum Rhein stark abschüssigen und über mehrere Ebenen terrassierten Gelände. Im unteren Bereich befindet sich der Haupteingang, von dem das Bad über das vorhandene Eingangs- und Funktionsgebäude erschlossen wird. Von hier aus erreicht der Badegast den attraktiv gestalteten Freiraum mit dem auf unterster Ebene liegenden Kleinkindbereich in unmittelbarer Nähe zu den sanitären Einrichtungen. Über die sanft ansteigende Wegeführung erreicht der Besucher die höher gelegenen Bereiche mit kombiniertem Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken. An der südlichen und nördlichen Seite des Kombibeckens befinden sich heute die Nichtschwimmerbereiche. Im mittleren Beckenbereich schließen sich der ausgedehnte Schwimmerbereich und der Springerbereich als Naturfelsanlage an. Weiter westlich gibt es weitere höher gelegene Liegebereiche. Von hier hat der Besucher einen unbeschreiblichen Blick hinunter auf das Rheintal mit seinen ausgedehnten Weinbergterassen.

Rückblick

Das im Jahr 1969 errichtete Freibad Bingen-Bingerbrück wurde erstmalig in den Jahren 2004/2005 zu einem Naturerlebnisbad umgebaut. Das neue Bad erfreute sich großer Akzeptanz in der Bevölkerung und Region. Jedoch traten bereits in den ersten Betriebsjahren baulich Mängel auf. Insbesondere Unebenheiten und Undichtigkeiten an der Abdichtungsfolie sowie eine unzureichende Beckenentleerung und Materialverfrachtungen vom Kiesstrand in die Becken. Darüber hinaus wurden während des Betriebes zunehmend Verletzungen der Badegäste registriert, sodass weitgehende Sicherheitsbedenken bestanden. Die baulichen Mängel waren so massiv, dass sich die Stadt Bingen dazu entschloss, das Bad komplett neu zu erstellen und zu sanieren. Nach nur gut einjähriger Planungs- und Bauzeit konnte das Naturbad Bingen-Bingerbrück im Sommer 2009 neu eröffnet werden.

Wasseraufbereitung

Die Auslegung der biologisch-mechanischen Wasseraufbereitung wurde entsprechend den Empfehlungen der FLL vorgenommen. Dabei wurde die Kombination eines beregneten Neptunfilterszur Spitzenlastabdeckung, eines Uferfilters und einerAquakultur mit darunter liegendem überstauten Bodenfilter gewählt. Die Aquakultur dient gleichzeitig als Schwallwasserbehälter und weist je nach Betriebslast und Badedichte wechselnde Wasserstände auf. Die Beckenhydraulik eines Naturfreibades stellt an den Planer eine besonders große Herausforderung. Dabei wird wie in einem Beckenbad eine gleichmäßige Durchmischung zur Aufrechterhaltung des Verdünnungsansatzes angestrebt. Bei einem desinfizierten Beckenbad ist jedoch insbesondere die gleichmäßige Verteilung des Desinfektionsmittels von Bedeutung. Darüber hinaus sind in einem Naturfreibad Auswaschungsverluste von Zooplankton während des Volllastbetriebes zu minimieren, da das Zooplankton ein wichtiger Bestandteil der »biologischen In-situ-Entkeimung« durch gezielte Filtration im Wasserkörper darstellt. Aus diesem Grund wurde hier ein Großteil des Rohwassers über eine Uferfiltratanlage abgezogen, die baulich so angeordnet ist, dass sie nur oberflächennahes Wasser abzieht. Diese Bauweise ermöglicht einen gleichmäßigen Abzug wie mit einer Überlaufrinne, belässt aber das Zooplankton im Wasserkörper.

Kenndaten

  • Gesamtwasserfläche: 2.398 m²
  • Gesamtwasservolume 4.500 m³
  • Nutzbare Wasserfläche: 1800 m²
  • Wasseraufbereitung: Neptunfilter (700 m²), Submerser Bodenfilter (600 m²), Füllwasseraufbereitung mit PO4-Adsorber
  • Steuerung: SPS, Fernwartung
  • Nennbesucherzahl: 1886 Badegäste/ Tag
  • Jahresbesucher: 50.000 Badegäste / Jahr