Stadionbad Bremen

 

Hintergrund


Im August 2006 machte das grundrenovierte Stadionbad seine Tore für die Badegäste wieder auf. Baden im Chlorbecken oder im natürlich gereinigten Wasser, alles ist möglich. Und die Riesenrutsche ist nur etwas für ganz Mutige! Bremer Bürgerinnen und Bürger von jung bis alt haben in einem umfangreichen Bürgerbeteiligungsprozess das Freibad neben dem Weser-Stadion (»Stadionbad «) neu geplant. Der Patenkreis, in dem alle wichtigen Interessengruppen für das Bad vertreten waren, hat mit breiter Mehrheit eine Entscheidung getroffen, die von allen Anwesenden mitgetragen wurde. Aus dem Bürgerbeteiligungsprozess entwickelten die beteiligten Planungsbüros den realisierten Entwurfsplan.

Freiraumgestaltung


Das übergeordnete Ziel der Freiraumplanung bestand darin, das neue Freibad in die Topografie des Weserufers und der Deichlandschaft in unmittelbarer Nähe zum Weserstadion einzubinden. Eine besondere Herausforderung war hierbei die Gestaltung der Filteranlagen unter beengten Platzverhältnissen und unter Wahrung der hochwasserschutzrechtlichen Belange. Die planerische Lösung bestand in einer Terrassierung des Neptunfilters mittels Gabionenwänden, wodurch eine minimale Flächeninanspruchnahme und zudem eine windgeschützte Besuchertribüne geschaffen werden konnte. Neben den üblichen Liegewiesen wurde eine Vielzahl von unterschiedlichen Aufenthaltsbereichen geschaffen, die den verschiedenen Alters- und Nutzergruppen gerecht werden. Zu nennen sind beispielsweise der großzügige Kleinkindbereich, die Spiel- und Sportplätze als auch der aufgewertete Gastronomiebereich.

Nutzungsbereich


Der Nutzungsbereich gliedert sich in insgesamt vier Beckenbereiche, wovon die beiden Schwimmerbecken als konventionelles desinfiziertes Beckenbad geführt werden. Das 50m-Becken wurde in seiner alten Form mit sechs Schwimmbahnen erhalten, jedoch durch den Einbau des neuen Schwallbehälters vom Sprungbereich mit 10m-Turm-Anlage getrennt. Beide Becken wurden mit einer azurblauen Kunststoffdichtungsbahn komplett neu abgedichtet. Die Überlaufrinnen und Beckenköpfe wurden ebenso wie die Reinwassereindüsung komplett erneuert. Die Nichtschwimmer- und Kleinkindbereiche werden hingegen als Naturfreibad betrieben. Hier konnte nur teilweise auf die vorhandene Bausubstanz aufgebaut werden, so dass weite Teile komplett neu erstellt wurden. Die neue familienorientierte Badelandschaft wurde mit den verschiedensten Wasserattraktionen wie Breitrutsche, Wassertreppe, Staustufen und Kaskadenbecken aufgewertet. Als besondere Attraktion unter den Bremer Jugendlichen gilt die 11m hohe Speedrutsche, die nur von den Mutigsten ohne Zögern im ersten Anlauf genommen wird.

 

Wasseraufbereitung


Das Rohwasser im Naturbadbereich wird in Überlaufrinnen aufgefangen und im Schwallbehälter gesammelt. Von dort wird es über drei separate Beschickungspumpen auf die zwei gestuften Bodenfilterebenen verteilt. Als Bodenfiltersystem wird hier ausschließlich der offenporige Neptunfilter mit besonders hohen Keimeliminationsraten verwendet. Das verregnete Wasser rinnt an den Kornoberflächen durch das Substrat bis zur Filtersole. Partikel haften während der Passage an dem feuchten Biofilm, der die Substratoberfläche bedeckt. Durch die Mikroorganismen an den Kornoberflächen wird die organische Fracht des Rohwassers abgebaut. CO2 und N2 werden größtenteils veratmet, während Phosphat zum Zellaufbau der Mikroorganismen eingelagert, oder adsorptiv an den Kornoberflächen gebunden wird. Die Aufbereitung des Schwimm- und Badebeckenwassers des Schwimmer- und Springerbeckens wird zur Einhaltung des hygienischen Standards nach dem Verfahren Adsorption Flockung Filtration Chlorung, gemäß DIN 19643-2 durchgeführt. Das Reinwasser wird den einzelnen Becken volumenstromanteilig wieder zugeführt. Mittels einer Solaranlage kann die Beckenwassertemperatur des Schwimmerbeckens angehoben werden. Durch den gemeinsamen Schwallbehälter findet dadurch auch eine Temperaturerhöhung im Springerbecken statt. Eine Nachheizung über einen Kessel aus dem nahe gelegenen Vereinshallenbad ist möglich, sodass der Schwimm- und Sportverein bei Schwimmwettbewerben die Beckenheizung über seine eigene Kesselanlage realisieren kann.

 

Kenndaten

Gesamtwasserfläche: 2.700 m²
Gesamtwasservolumen: 1.390 m³
Nutzbare Wasserfläche: 2.700 m²
Wasseraufbereitung: Neptunfilter (1.390 m²)
Steuerung: SPS, Fernwartung
Nennbesucherzahl: 6000 Badegäste/ Tag
Jahresbesucher: 70.000 bis 90.000 Badegäste / Jahr